Jenseits des Gewöhnlichen
Hier beginnt meine Reise. Lernen Sie mich und meine Arbeit kennen, blicken Sie hinter die Kulissen und lernen Sie die Person kennen, der Sie ihr Pferd anvertrauen. Ich freuen mich, dass Sie hier sind, um Teil meiner Geschichte zu sein.

Das Pferdemädchen
Wie bei vielen anderen auch, begann meine Pferdereise im Kindesalter. Nach einer langen Pause von fast 10 Jahren entdeckte ich Pferde in meinen 20ern wieder und startete als klassische Reit-und Pflegebeiteiligung an einer Haflingerstute. Nach einiger Zeit wurde mir bewusst,wie schwierig es manchmal sein kann NUR die Reitbeteiligung zu sein. Ein eigenes Pferd musste her.

Wie aus einem 2 wurden...
Ich begab mich nun auf die Suche nach einem Pferd. Ich dachte ich kenne mich ja nun mit Haflingern aus und stolperte irgendwann über meinen heutigen best Buddy Ringo(der aufgrund seiner Besonderheit natürlich auch seinen eigenen Blog bekommen wird😉)
Beim Probereiten hat er nur 2 Mal versucht mich umzubringen durch abzuwerfen. Ich war hin und weg! DAS war MEIN Pferd 😆 Während ich meine Geschichte mit Ringo nun ins Rollen brachte,näherte sich die Weihnachtszeit und ich stolperte über die Anzeige eines Pferdes das ich mir zu Beginn meiner Suche gemerkt hatte.Nach fast 12 Monaten Aktiver Anzeige und dem nun drohenden Schlachter,hatte der Junge immer noch kein zu Hause gefunden.Ich dachte "der steht ja um die Ecke!?...Ach den guck ich mir mal an...nur so...is ja nur gucken"...und so lernte ich Ritchie kennen...

Richie
Ich fuhr also hin.Die Familie konnte ihn sich nicht mehr leisten, ihre Geschäfte liefen schlecht und man spürte in jeder Faser, dass das kommende Weihnachten für die Eltern zur Belastung werden würde.Ich traf einen älteren, zu schlanken Holsteiner und bot an ihn erstmal mit Futter und Zeit zu versorgen bis ein Käufer gefunden wurde. Nach Weihnachten hatte der Junge sichtlich zu gelegt aber die Gegebenheiten am Stall boten nicht die Möglichkeiten seine von Kniehohem Matsch angegriffen Beine zu behandeln. Eine Lösung musste her,konnte man ja kein offensichtlich mit Wunden versehenes altes Pferd verkaufen...300Euro und eine Hängerfahrt später war ich nun Besitzer von 2 Pferden...

Leben IST ein Ponyhof...
Ich zog nun mit beiden Pferden nach Sieversen.
Durch persönliche Umstände unseres Nachbarn ergab sich wenig später die Möglichkeit meine Pferde in Eigenregie auf seinem Hof in Emsen versorgen zu können.
Die dort bereits eingestellten Pferde übernahm ich im gleichen Atemzug und so wurde ich vom Pferdemädchen zum Stallbetreiber.
Lange Zeit dachte ich, Hufe wären einfach Hufe.
4 Füße.
Acht Wochen.
Nächster Termin.
Bis zu dem Tag an dem Ritchie entschied, dass ihm die Hufbehandlung nicht mehr passte...
Der Wendepunkt
Der Junge war nun nicht mehr nur alt, sondern ging stramm auf die 30 zu. Seine Gelenke waren tagesform abhängig mal gut beweglich, mal schlecht. Er wurde 3 Tage vor den Bearbeitungen mit Schmerzmitteln versorgt. Ich lebte damit und vor allem: er lebte damit.
Unser damaliger Schmied konnte es an dem Tag nicht.
Er war und ist ein guter Schmied mit dem man tolle Gespräche und lustige Anekdoten austauschen konnte.
Er bearbeitete beinahe jedes Pferd unseres Hofes und freute sich zu uns zu kommen.
Die Arbeit war nie zu beanstanden.
Ich sah es damals nicht kommen, der Schmied scheinbar auch nicht.
Richie zog das Bein an,
unser Schmied hielt gegen
und dann passierte es.
Mein Pferd kickte den Schmied über den Hof.
Der Gute stolperte weg,
die Raspel flog
und wir guckten alle recht bescheiden aus der Wäsche.
Natürlich fragte ich ihn sofort, wie es ihm geht,ob ich einen Arzt/Krankenwagen rufen soll, ob er was zum kühlen braucht.
Wir brachen die Bearbeitung ab.
Ich ließ mir nochmal versichern, dass es ihm gut geht und bot auch an ihn nach Hause zu fahren aber er winkte cool ab und schien trotzdem noch gut aufgelegt.
Das war der Tag an dem ich ihn das letzte mal sah.
Nicht,weil er schlechte Arbeit machte.
Nicht weil er uns ablehnte (was er nicht tat).
Sondern, weil ich niemanden mehr an mein Pferd lassen wollte aus Angst vor Verletzungen.
Der Beginn
Rückblickend betrachtet habe ich damals vielleicht überragiert.
Wahrscheinlich wäre unser Schmied trotzdem wiedergekommen.
Das dumme Gefühl, dass ihm oder einer anderen Person etwas passieren konnte wollte jedoch nicht verschwinden...
Mir war bewusst, dass ich nur wenig Zeit hatte eine Lösung zu finden und so beschäftigte ich mich nach dem Verdauen dieses Erlebnisses mit Kursen für Besitzer.
Die jeweiligen Wochenendkursen der verschiedenen Institute waren alle sehr interressant, gingen mir aber nicht tief genug.
Ich hatte überhaupt keine Ahnung von Hufen und wollte bloß nichts kaputt machen, was ohnehin schon enorm belastet wurde durch Alter etc.
ich meldete mich nach langer Recherche bei einem Ausbildungskurs der DifHo nach Jochen Biernat an und begann dann mit vielen anderen meinen ganz persönlichen Weg in Richtung Hufbearbeitung.
Wie viele andere tolle, innovative Dinge, entstand mein heutiger Job aus der Not heraus.
Nicht aus einem Businessplan.
Aus Fragen.
Aus Fehlern.
Aus dem Wunsch zur Liebe meines Pferdes genauer hinzusehen.
Und vielleicht ist genau das bis heute der wichtigste Teil meiner Arbeit geblieben.
Ich weiß heute also nicht nur, wie doof es sich anfühlt "Nichts zu wissen", sondern kenne auch die Angst, wenn man ein Pferd hat, dass bereits mal aus den unterschiedlichsten Gründen "ausfällig" geworden ist.
Diese Angst, dass dem Hufbearbeiter etwas passiert.
Somit hat mir Ritchie weit mehr geschenkt als nur die Liebe zu Pferde.
Er hat mir gezeigt,dass Probleme manchmal keine Hindernisse sind, sondern Wegweiser.
Ohne ihn gäbe es Hoofphysics vermutlich nicht.
Und manchmal frage ich mich, welche Geschichte wir wohl geschrieben hätten, wenn er damals einfach stillgestanden hätte.
💛
🥳Go Hoofphysics 🥳
Dies war die Geschichte wie Hoofphysics entstand.
Und wenn Pferde eines können, dann Geschichten schreiben.
Richie war nur die erste. 💛🦄📖💛